Madagaskar: „Dein Zebu hast du angemeldet, aber dein Kind nicht!"

In Madagaskar sind ca. 25% Kinder nicht registriert und haben keine legale Identität.

Dein Zebu hast du angemeldet, aber dein Kind nicht!" Die Dorf-Einwohner lachen vor dem Theaterstück. Schauspieler des Theatervereins Zolobe spielen drei Sketches über die Wichtigkeit der Geburtsurkunde in einem Dorf im Norden Madagaskars..

Dieser Satz ist zwar ein Witz, aber er reflektiert eine Realität: In Madagaskar sind ca. 25% der Kinder nicht registriert und haben keine legale Identität. Eltern sehen die Wichtigkeit, ihr Vieh registrieren zu lassen, aber sind nicht genug informiert über die Wichtigkeit, ihre Kinder bei der Geburt anzumelden. Zebus sind der Reichtum einer Familie, aber ohne eine legale Existenz können Viehzüchter ein Zebu nicht offiziell verkaufen. Auf dem Schwarzmarkt erzielt es einen deutlich geringeren Preis Das Theaterstück endet mit dem Satz: "Mit seiner Geburtsurkunde kann jetzt dein Kind der offizieller Besitzer seines Viehs werden."

Es ist die Herausforderung des Projektes „BürgerInnen von Morgen", die Bevölkerung in 14 ländlichen Kommunen davon zu sensibilisieren, dass eine Geburtsurkunde die Zukunft ihres Kindes verbessert. Dafür werden neben Theaterstücke Informationssitzungen in verschiedenen Viertel und in den Schulen der Kommunen organisiert. Außerdem hat die Partnerorganisation SAMEVA einen Wettbewerb im traditionellen Musikstil „Jijy Toka Toka" organisiert.

Drei Monate nach Anfang des Projektes haben die Frauen der Partnerorganisation schon die Akten von 3.062 Kinder vorbereitet. Das Verfahren läuft folgendermaßen: Familien melden sich bei der NRO SAMEVA an und die Frauenorganisation hilft ihnen, ihre Akten vorzubereiten. Ein paar Wochen später gehen Rechtsanwälte in jede Kommunen und beglaubigen die Akten jedes Kindes und seine Familie für die Registrierung. Das Standesamt überschreibt dann jede Akte in das Geburtsregister und die Familien kommen, um die neue Geburtsurkunde abzuholen.

Dieser Ansatz verhindert, dass die Betroffenen eine lange und teure Reise bis zum regionalen Gericht auf sich nehmen müssen. Außerdem zeigt er der Bevölkerung, dass die Kommune sie unterstützt.