Palästinensische Gebiete

Verbesserung partizipativer Lernmethoden in den palästinensischen Gebieten

Kinder und Jugendliche in den palästinensischen Gebieten stehen einer Vielzahl von Herausforderungen und Problemen gegenüber. Diese ergeben sich aus der allgemein schwierigen humanitären Situation, dem andauernden Konflikt und der daraus resultierenden chronischen Instabilität von Grundversorgungsleistungen. Sie sind alltäglich mit Sicherheitsrisiken, Gewalt und Armut konfrontiert. Dies beeinträchtigt auch die Bildungsqualität an den Schulen und die Bildungschancen, die den palästinensischen Mädchen und Jungen angeboten werden. Grundschulkinder erlernen nur selten die notwendigen Fähigkeiten, um in den weiterführenden Schulklassen oder im Berufsleben erfolgreich zu sein. Das Leseverständnis sowie die Schreib- und Ausdrucksfähigkeiten sind oft mangelhaft und es fehlt an der Fähigkeit, eigenständig zu lernen. Außerdem erhalten die Kinder vielfach keine Unterstützung durch Lehrkräfte, Eltern oder die Gesellschaft, sodass die große Mehrheit der Kinder bereits in jungen Jahren in ihrer Bildungskarriere stark eingeschränkt ist. Das Fehlen eines sicheren und inklusiven Lern- und Entwicklungsumfelds nimmt palästinensischen Kindern zudem die Möglichkeit, wichtige soziale Fähigkeiten wie Selbstbewusstsein, soziales Bewusstsein, Beziehungsfähigkeit und ein Engagement für Bildung zu entwickeln.

Save the Children setzt sich mit dem Projekt „Verbesserung partizipativer Lernmethoden in den palästinensischen Gebieten“ dafür ein, dass Kinder ihr Recht auf Bildung in angemessener Art und Weise wahrnehmen können. Die Qualität der Schulbildung und die Bildungssituation allgemein sollen im Rahmen dieses Projektes durch die Einführung und Etablierung partizipativer Lernmethoden in Schulen und Bibliotheken erhöht werden, wodurch die Kinder stärker in den Lernprozess eingebunden werden.

Ziele und Aktivitäten

Das Ziel der verbesserten Bildungsqualität durch die Verbreitung partizipativer Lernmethoden an palästinensischen Schulen soll durch eine Reihe von Aktivitäten, die auf einem kinderrechtlichen Ansatz basieren, erreicht werden. Im Rahmen des Projekts werden 40 Schulen und 40 Bibliotheken darin unterstützt, Kindern ein sicheres und kreatives Lern- und Lebensumfeld bereitzustellen. Die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Bibliothekarinnen und Bibliothekare erhalten Schulungen, in denen sie die Anwendung partizipativer Lernmethoden und innovativer pädagogischer Konzepte im Schulunterricht und in der Bildungsarbeit mit Kindern erlernen. Es wird Wert darauf gelegt, dass die Kinder in Form von Schülerinitiativen in die Gestaltung von Schulaktivitäten einbezogen werden, so dass durch wissens- und erfahrungsbasiertes Lernen nachhaltige Verhaltens- und Einstellungsveränderungen erzielt werden können. Gleichzeitig wird die Vernetzung im palästinensischen Bildungssektor zum Austausch über innovative Ansätze und partizipative Lernmethoden gefördert, damit sich die teilnehmenden Lehrkräfte über Erfahrungen und Erfolge austauschen und voneinander lernen können.

Die aktive Nutzung von Bibliotheken wird als wesentliches Instrument zur Verbesserung der Lesemöglichkeiten und zur Herstellung einer sicheren Lernumgebung für Kinder betrachtet. Um die Rolle der Bibliotheken im palästinensischen Bildungskontext zu stärken und sie zu Orten des interaktiven Lernens zu machen, wird in ihnen eine Vielzahl an Maßnahmen durchgeführt. Damit die Bibliotheken aktiv von Kindern als Lern- und Freizeitort genutzt werden, wurden sie über das Projekt mit hochwertigen Kinderbüchern ausgestattet und verschiedene Leseveranstaltungen und Buchbesprechungen organisiert.

Gleichzeitig wird mittels evidenzbasierter Advocacy- Arbeit für die Einführung partizipativer Lernmethoden auf formaler Ebene geworben. Das Bildungsministerium hat während der Projektlaufzeit die Lehrpläne für die Grundschulen überarbeitet. Die Partnerorganisation Tamer setzt sich dafür ein, dass partizipative und innovative Bildungsansätze, die im Rahmen des Projekts identifiziert wurden, bei der Neuausarbeitung der Lehrpläne vom Bildungsministerium berücksichtigt und in die Lehrpläne integriert werden.

Erfolge und Herausforderungen

Insgesamt trägt dieses Projekt auf verschiedenen Ebenen zur Optimierung des Bildungsumfelds palästinensischer Kinder bei. Durch die verbesserte Ausstattung der Bibliotheken und die Gründung von Schülerinitiativen wurden die Lernmöglichkeiten vor Ort erhöht. Die Schülerinitiativen haben auch dazu beigetragen, dass das Engagement der Gemeinde, insbesondere der Eltern, für die Schaffung positiver Lernumgebungen zugenommen hat. Außerdem kann die Produktion und Verteilung qualitativ hochwertiger Kinder- und Jugendliteratur, durch die das Spektrum der Bibliotheken erweitert werden konnte, als Erfolg des Projektes gewertet werden. Die Nutzung der Bibliotheken als Orte des gesellschaftlichen Lernens steigt ebenso wie die Anzahl der ausgeliehenen Bücher. Des Weiteren werden die Kapazitäten des Bildungspersonals an Schulen und Bibliotheken dahingehend aufgebaut, dass sie in der Lage sind, ihre Schülerinnen und Schüler mit partizipativen Lernmethoden zu erreichen. Schließlich gibt es bereits erste Anzeichen, dass partizipative Ansätze auf formaler Ebene des palästinensischen Bildungssystems berücksichtigt werden, so bei der Überarbeitung des Lehrplans an Grundschulen.

Eine zentrale Herausforderung ist, dass das Bildungssystem nach wie vor rigide ist und traditionelle Lehr- und Bewertungsmethoden vorherrschen. Lehrmethoden und Erziehungsmaßnahmen gegenüber palästinensischen Kindern sind autoritär geprägt und häufig nicht gewaltfrei. Folglich bewerten viele Schülerinnen und Schüler einen Teil ihres Lehrpersonals negativ und stehen Schulaktivitäten entsprechend skeptisch gegenüber. Auch bei der Einbindung von Vätern in die Bildungsbemühungen ihrer Kinder besteht noch Steigerungspotenzial.

Ansprechpartner

Save the Children Deutschland e. V.

Seesener Straße 10 – 13
10709 Berlin

Britt Kalla
T: +49 (0) 30 / 27 59 59 79 - 818
E: britt.kalla(at)savethechildren.de
www.savethechildren.de

GIZ - Sektorprogramm „Menschenrechte einschließlich Kinder- und Jugendrechte umsetzen in der Entwicklungszusammenarbeit“

Friedrich-Ebert-Allee 36 + 40
53113 Bonn

Telefon +49 228 4460-3797
info(at)kinder-und-jugendrechte.de