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15.07.2021

Millionen Kinder verpassen wichtige Impfungen

Laut aktueller Erhebungen von WHO und UNICEF haben im Jahr 2020 23 Millionen Kinder grundlegende Routineimpfungen verpasst – 3,7 Millionen Kinder mehr als 2019.
Pakistan 2021: Die Markierung am Finger des kleinen Mädchens zeigt, dass sie gegen Polio geimpft wurde. © UNICEF/UN0399469/Bukhari

Die aktuellen Zahlen, die die globalen Unterbrechungen von Impfprogrammen im Zuge der Covid-19-Pandemie widerspiegeln, zeigen, dass die Mehrheit der Länder im vergangenen Jahr einen Rückgang der Impfraten bei Kindern verzeichnete.

Besorgniserregend ist, dass ein Großteil der Kinder – bis zu 17 Millionen – im vergangenen Jahr wahrscheinlich gar keine Impfung erhielten und dies die ohnehin schon großen Ungleichheiten beim Zugang zu Impfstoffen noch vergrößert. Die meisten der ungeimpften Kinder leben in Konfliktgebieten, entlegenen Gegenden, informellen oder marginalisierten Umgebungen, wo sie von vielfältigen Benachteiligungen betroffen sind, einschließlich des eingeschränkten Zugangs zu grundlegender Gesundheitsversorgung und wichtigen sozialen Dienstleistungen.

"Während sich die Länder bemühen, Covid-19-Impfdosen zu erhalten, haben wir bei anderen Impfungen Rückschritte gemacht, so dass Kinder gefährdet sind, an verheerenden, aber vermeidbaren Krankheiten wie Masern, Polio oder Meningitis zu erkranken", sagte WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Der Ausbruch verschiedener Krankheiten zugleich wären für die Gemeinden und Gesundheitssysteme, die bereits mit Covid-19 zu kämpfen haben, katastrophal. Es ist dringender denn je, in die Impfung von Kindern zu investieren und dafür zu sorgen, dass jedes Kind erreicht wird." (...)

Die globale Impfrate gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Masern und Kinderlähmung stagnierte bereits vor der Covid-19-Pandemie bei rund 86 Prozent. Diese Impfrate liegt damit weit unter den von der WHO empfohlenen 95 Prozent zum Schutz vor Masern – häufig die erste Krankheit, die wieder ausbricht, wenn Kinder nicht mit Impfstoffen erreicht werden. Sie ist ebenfalls unzureichend, um andere Krankheiten zu verhindern, die durch Impfungen vermieden werden können.

In vielen Teilen der Welt kam es wegen der Pandemie zu Unterbrechungen von Impfprogrammen, weil das Gesundheitspersonal und viele Ressourcen für den Kampf gegen Covid-19 eingesetzt wurden. In einigen Ländern wurden Gesundheitszentren geschlossen oder standen nur eingeschränkt zur Verfügung, während gleichzeitig Gesundheitsdienste womöglich aufgrund fehlender Transportmöglichkeiten oder Bewegungseinschränkungen sowie Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht wahrgenommen wurden.

"Die Zahlen sind alarmierend und deuten darauf hin, dass die Pandemie jahrelange Fortschritte bei Routineimpfungen zunichtemacht und Millionen Kinder der Gefahr ausgesetzt, sich mit tödlichen, vermeidbaren Krankheiten anzustecken", sagte Dr. Seth Berkley, CEO der Impfallianz Gavi. "Dies ist ein Weckruf – wir dürfen es nicht zulassen, dass in Folge von Covid-19 Masern, Polio und andere tödliche Krankheiten wieder ausbrechen. Wir müssen zusammenarbeiten, um Ländern dabei zu helfen, sowohl Covid-19 zu besiegen, indem wir einen globalen, gerechten Zugang zu Impfdosen sicherstellen, als auch die Routineimpfprogramme wieder auf Kurs zu bringen. Die Gesundheit und das Wohlergehen von Millionen von Kindern und ihren Gemeinschaften auf der ganzen Welt hängen davon ab."  

Autor:
WHO und UNICEF
Quelle:
Kategorie:
Gesundheit COVID-19 Recht auf Gesundheit Recht auf Schutz Aktuelles Deutsches Komitee für UNICEF e.V.