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26.06.2020

Neuer Bericht: Alarmierende Zunahme von Kinderehen in Syrien

Versagen der internationalen Gemeinschaft auf ganzer Linie
© World Vision

Aus Anlass der vierten Syrien-Geberkonferenz, die am kommenden Montag in Brüssel beginnt, beklagt die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision, dass es kaum noch Aufmerksamkeit für den seit mehr als 9 Jahren andauernden Konflikt in Syrien gibt. „Wir müssen leider feststellen, dass dieser Krieg mit katastrophalen Auswirkungen für Kinder kaum noch jemanden interessiert. Viele Kinder sehen ihre Zukunft als verloren an, auch weil sie durch Zwangsverheiratung jeglicher Bildungschancen beraubt werden“, betont Ekkehard Forberg, Themenmanager Anwaltschaft und Friedensförderung. „Die Internationale Gemeinschaft hat auf ganzer Linie versagt. Die Teilnehmer der Konferenz in Brüssel müssen jetzt dafür sorgen, dass es endlich einen dauerhaften Frieden gibt und genügend finanzielle Mittel für humanitäre und medizinische Hilfslieferungen zur Verfügung gestellt werden.“

Millionen Kinder in Syrien kennen nichts anderes mehr als Krieg, Gewalt, Tod und Vertreibung und die Eskalation zu Beginn dieses Jahres hat einmal mehr Hundertausende Familien gezwungen, aus ihren Dörfern zu fliehen. Im Winter mussten viele Kinder sogar im Freien unter Bäumen übernachten. „Für vier Millionen Syrerinnen und Syrer, die in Gebieten außerhalb der Kontrolle der syrischen Regierung leben, ist daher die grenzüberschreitende Versorgung überlebenswichtig“, erläutert Forberg. Die Kinderhilfsorganisation fordert die Bundesregierung daher dringend auf, im UN-Sicherheitsrat für eine Verlängerung der grenzüberschreitenden humanitären Hilfe zu sorgen. Die bisherige Genehmigung zur Nutzung von Grenzübergängen durch die Vereinten Nationen läuft Mitte Juli aus. Im UN-Sicherheitsrat soll das Thema des Zugangs nach Syrien demnächst auf die Tagesordnung gesetzt werden. Dann soll auch entschieden werden, ob Grenzübergänge in die Türkei und den Irak weiter genutzt werden dürfen. „Deutschland hat als Verhandlungsführer eine besondere Verantwortung – denn Millionen Hilfsbedürftige sind von dieser Entscheidung abhängig“, so Forberg. Die Corona-Pandemie verschärft zusätzlich die Lage der Kriegsflüchtlinge, weil die medizinische Hilfe oft bei den Bedürftigen verspätet oder gar nicht ankommt. Mittlerweile sind nur noch 60% der öffentlichen Krankenhäuser in Syrien funktionsfähig.

In einem neuen Bericht mit dem Titel „Gestohlene Zukunft: Krieg und Kinderheirat in Nordwestsyrien“ wird festgestellt, dass Frühverheiratungen in Syrien in alarmierender Weise zugenommen haben. Zwischen Januar und April dieses Jahres befragten World Vision Mitarbeiter 626 Mädchen und Jungen, Familien, Betreuer und Gemeindemitglieder in Nordwestsyrien zu Kinderheirat. Fast 100% der Befragten bestätigten, dass Frühverheiratung seit Beginn des Konflikts stark zugenommen habe. Gründe seien u.a. die Angst vor sexueller Ausbeutung, Missbrauch und Entführung und Armut. Viele Eltern sind zutiefst verzweifelt und wissen nicht mehr, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Heranwachsende Mädchen berichteten, dass sie von der Gemeinschaft isoliert sind, unter Alpträumen, Ängsten und Weinkrämpfen leiden. Viele junge Mütter sehen sich außer Stande, sich um ihre Kinder zu kümmern.

World Vision betont, dass die internationale Gemeinschaft auch in Kriegen moralisch verpflichtet ist, die Rechte der Kinder zu wahren. „Die Corona-Epidemie hat viele Familien in noch größere Verzweiflung getrieben und führt zu einem dramatischen Anstieg von Kinderheiraten“, sagte Eleanor Monbiot, die Regionalverantwortliche von World Vision für den Nahen Osten und Osteuropa. „Frühverheiratung ist eine Gefahr für die körperliche und psychische Gesundheit der Kinder und führt oft zu häuslicher Gewalt, einem Abbruch der Schule und weiterem Abrutschen in die Armut“, so Monbiot. (...)

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World Vision
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