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28.09.2021

Klima-Bericht: Kinder könnten siebenmal mehr Hitzewellen erleben

Die Zukunft der Kinder, die seit 2020 zur Welt gekommen sind, könnte maßgeblich von den Auswirkungen des Klimawandels bestimmt sein.
Ausgetrocknete Erde bis zum Horizont: Wetterextreme wie langanhaltende und immer häufiger auftretende Dürren wie hier in Somalia werden die Zukunft der jungen Generationen bestimmen, wenn wir die globale Erwärmung nicht auf 1,5 Grad begrenzen. © Kate Stanworth / Save the Children

Das zeigen die Prognosen des neuen Berichts “Born into the Climate Crisis” auf alarmierende Weise. Demnach könnte die jüngste Generation ihr Leben lang einer weitaus höheren Anzahl klimabedingter Wetterextreme ausgesetzt sein als Menschen, die 1960 geboren wurden. Um die Rechte der Kinder in der Klimakrise zu schützen, müssen jetzt dringend Maßnahmen ergriffen werden.

Die Versäumnisse der vergangenen 60 Jahre im Klimaschutz bekommen vor allem die Jüngsten am härtesten zu spüren – wenn wir nicht jetzt entschlossen gegensteuern. Das bestätigt der Bericht “Born into the Climate Crisis: Warum wir jetzt handeln müssen, um die Rechte der Kinder zu sichern”. Dieser wurde von Save the Children in Zusammenarbeit mit einem internationalen Team von Klimaforscher*innen unter der Leitung der Vrije Universiteit Brussel (VUB) veröffentlicht und ebenfalls in der renommierten Zeitschrift Science publiziert.

ERDERWÄRMUNG MUSS AUF 1,5 GRAD BEGRENZT WERDEN

Sollten Regierungen ihre bisherigen Zusagen im Pariser Klimaschutzabkommen zur Reduzierung der Emissionen nicht steigern, könnte das fatale Folgen für Kinder haben, die jüngst geboren wurden: Sie könnten in ihrem Leben durchschnittlich siebenmal mehr Hitzewellen ausgesetzt sein als noch ihre Großeltern. Zudem könnten diese Kinder im Durchschnitt doppelt so viele Waldbrände, 2,8-mal mehr Ernteausfälle, 2,6-mal mehr Dürren und 2,8-mal mehr Überschwemmungen erleben müssen als Menschen, die vor 60 Jahren geboren wurden.

Anhand von Erfahrungsberichten von Kindern aus elf Ländern weltweit zeigt der Bericht zudem, welche verheerenden Auswirkungen die Klimakrise bereits heute auf das Leben von Kindern hat und spricht konkrete Handlungsempfehlungen an Regierungen aus.

Eine zentrale Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel ist die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad. Nach den ursprünglichen Zusagen des Pariser Abkommens zur Emissionsreduzierung werden die globalen Temperaturen um schätzungsweise 2,6 bis 3,1 Grad über das vorindustrielle Niveau ansteigen – mit inakzeptablen Folgen für Kinder.

Doch es bleibt noch Zeit, diese düstere Zukunft zu verhindern – wenn wir jetzt handeln. Sollte die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden, könnte die zusätzliche Belastung von Neugeborenen durch Hitzewellen um 45 Prozent, durch Dürren um 39 Prozent, durch Überschwemmungen um 38 Prozent, durch Ernteausfälle um 28 Prozent und durch Waldbrände um 10 Prozent sinken.

SO SIEHT EIN KINDERLEBEN IN DER KLIMAKRISE AUS

In Burundi, Ostafrika, wird die Dramatik der Klimakrise besonders sichtbar. Allein in den vergangenen Jahren mussten über 103.305 Menschen ihr Zuhause verlassen und fliehen. Der Grund: Eine deutliche Zunahme von klimawandelbedingten Katastrophen wie Überschwemmungen, Stürmen und Erdrutschen.

So erging es auch der 17-jährigen Annabelle und ihrer Familie. Ein Erdrutsch erfasste ihr Haus, als sie und ihre Geschwister von ihrer Mutter Carinie* ins Bett gebracht wurden. Nur knapp entgingen sie der Schlammlawine, die ihren gesamten Besitz unter sich begrub. Damit verlor die Familie auch ihre Einkommensquelle wie ihre Töpferei und ihren Gemüsegarten.

Nach der Zerstörung ihres Hauses zog Annabelles Familie für sechs Monate bei einem Nachbarn ein, bis ein Missionar, der das Dorf besuchte, ihnen half, ein neues Haus zu bauen. Allerdings haben sie dort keine Möglichkeit mehr, Lebensmittel anzubauen oder Töpfe herzustellen und zu verkaufen.

Da Carinie zu alt ist, um körperlich schwere Arbeit zu verrichten, geht Annabelle nun jeden Tag auf Arbeitssuche. An manchen Tagen findet sie diese in einer Ziegelei, was ihr etwa 50 Cent für einen ganzen Arbeitstag einbringt. Die Familie leidet stark unter Hunger. Oft reicht es nur für eine Mahlzeit am Tag, und die besteht meist nur aus Gemüse und Brot. Annabelle würde gerne zur Schule gehen und ihre Ausbildung beenden, um Lehrerin zu werden oder für eine Hilfsorganisation zu arbeiten.

Annabelles Leben steht exemplarisch für das Leben vieler Kinder, die mit den Folgen der Klimakrise aufwachsen müssen. Allein in Burundi mussten über 84 Prozent aller Binnenvertriebenen ihr Zuhause nicht durch Konflikte, sondern aufgrund von Naturkatastrophen verlassen. Der Bericht “Born into the Climate Crisis” zeigt, dass dies für Kinder weltweit der Fall sein wird, wenn nicht umgehend gehandelt wird.

KINDER MÜSSEN IM ZENTRUM DER KLIMAPOLITIK STEHEN

Obwohl die Klimakrise das Leben von Kindern am meisten beeinflussen wird, werden ihre Bedürfnisse und Stimmen bei wichtigen Entscheidungen zu diesem Thema zu oft ausgeschlossen.

Autor:
Pia Gralki | Save the Children
Quelle:
Kategorie:
Klimawandel und Umweltrisiken Recht auf eine gesunde Umwelt Aktuelles Save the Children Deutschland e.V.