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14.07.2021

In eigenen Worten: Ferhana* aus Afghanistan über ihre Wünsche für die Zukunft

In dieser Textreihe kommen Kinder und Jugendliche selbst zu Wort. Diesmal erzählt Ferhana* aus Afghanistan über ihr Leben, ihre Sorgen und ihre Zukunftswünsche.
Ferhana* aus Afghanistan hat bereits viel erlebt und gesehen in ihrem Leben, das Kinder nicht erleben sollten: Krieg. Flucht und Hunger. Dennoch hat sie Hoffnung auf ein besseres Leben. © Jim Huylebroek / Save the Children

Zum Zeitpunkt des Interviews konnte es sich Ferhanas* Familie seit fünf Monaten nicht mehr leisten, Fleisch, Gemüse oder Obst zu kaufen. Im Rahmen eines Projekts von Save the Children erhielt die Familie Unterstützung in Form von Bargeld, um sich für mehrere Monate mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Ferhana* lebt in einer Zeltsiedlung in Balkh im Nordwesten Afghanistans. Der anhaltende Konflikt im Land zwang sie mit ihrer Familie zur Flucht. Dadurch konnte Ferhana* seit drei Jahren keine Schule mehr besuchen. Ihre Familie hat nicht genug zu essen, sodass sie und ihre Geschwister oft hungrig zu Bett gehen. Die Corona-Krise bedroht ihre Versorgung und Gesundheit zusätzlich. In ihrer Notlage hofft Ferhana* auf eine bessere Zukunft. Hier erzählt sie von ihren Wünschen und davon, was ihr trotz aller Widrigkeiten Freude bereitet.

Ich bin zehn Jahre alt, habe einen Bruder, drei Schwestern und meine Eltern. Ich gehe nicht zur Schule. Früher ging ich zur Schule, aber dann begann der Krieg. Eine Granate traf meine Schule und wir flohen hierher nach Balkh. Ich bin seit drei Jahren nicht mehr in der Schule gewesen, nun lerne ich die Schriften des Koran. Es war gut, als wir zur Schule gingen. Jetzt leben wir in einem Zelt. Hier lernen wir auch, denn wir haben keinen anderen Ort, wo wir hingehen können. Ich passe auf meine Schwester auf, während meine Mutter die Wäsche für Andere macht und dafür zwei Brote bekommt.

Zwei Dinge mag ich besonders: spielen und mein Lieblingsessen. Am liebsten esse ich Äpfel, Granatäpfel und Bananen. Aber nun ist es schon fünf Monate her, dass wir Fleisch, Gemüse oder Früchte essen konnten.

Mein Vater sucht überall nach Dingen, die er in der Stadt verkaufen kann. Davon kauft er dann Kekse und Brot für uns. Das ist unser Leben. Wenn mein Vater in den vergangenen Monaten Geld verdiente, hatten wir etwas zu essen, sonst hatten wir nichts. Ich esse gerne Bohnen, Halwa [eine Süßspeise aus Sesam], Reis und Gemüse, aber dafür haben wir kein Geld. Wenn andere Menschen Bohnen und andere Dinge bekommen, versuche ich, nicht hinzusehen.

Das Coronavirus ist eine gefährliche Krankheit und die Menschen versuchen, sich davor zu schützen. Man soll sich die Hände waschen, sauber bleiben und eine Maske tragen. Vor dem Coronavirus war alles gut. Vor dem Coronavirus hatte mein Vater einen Job, aber jetzt hat er keinen mehr. Ich möchte Lehrerin werden. Ich möchte Kinder unterrichten und ausbilden, damit sie eine gute Zukunft haben können, damit sie Ingenieure werden zum Beispiel.

Ich wünsche mir, dass man uns hilft, den Krieg zu beenden, damit wir in unser Haus zurückkehren können, etwas zu essen haben und nicht hungrig schlafen gehen müssen. Ich hatte viele Freunde, einige von ihnen sind gestorben. Hier habe ich auch ein paar Freunde. Wir erzählen uns Geschichten, lernen, spielen und wenn ich etwas nicht verstehe, erklären sie es mir. Ich spiele sehr gerne Hopse und Seilspringen. Diesen Monat habe ich beim Seilspringen gewonnen.

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*Name zum Schutz geändert.

Autor:
Save the Children | Pia Gralki
Quelle:
Kategorie:
Ernährungssicherung Frieden und Sicherheit Flucht und Migration Kinder in bewaffneten Konflikten Recht auf Bildung Recht auf Förderung Recht auf Gesundheit Recht auf Schutz Aktuelles Save the Children Deutschland e.V.