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12.01.2023

"Hilfe darf nicht kriminalisiert werden"

Seenothelfende in Griechenland vor Gericht - Der griechische Staat wirft 24 Seenothelfenden unter anderem vor, illegal den Funkverkehr von Polizei und Küstenwache abgehört zu haben und Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein. Die SOS-Kinderdörfer fordern die Einstellung des Prozesses.
Das Foto der im Mittelmeer treibenden Schwimmweste und Wasserflaschen stammt aus dem Jahr 2020 und verdeutlichen, wie wichtig die Arbeit der Seenothelfenden ist. Foto: Alea Horst © SOS-Kinderdörfer weltweit

Auf der griechischen Insel Lesbos hat in dieser Woche der Prozess gegen 24 Flüchtlingshelfer:innen begonnen. Die Mitglieder humanitärer Organisationen hatten vor der Küste Griechenlands bis zum Jahr 2018 zahlreiche Flüchtende aus Seenot gerettet. Der griechische Staat wirft ihnen unter anderem vor, illegal den Funkverkehr von Polizei und Küstenwache abgehört zu haben und Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein. Lanna Idriss, Vorständin der SOS-Kinderdörfer weltweit, sagt: "Der ganze Prozess ist politisch motiviert und muss sofort eingestellt werden. Hier werden Menschen dafür kriminalisiert, dass sie Leben retten. Unter den Geflüchteten sind viele Kinder und Jugendliche. Sie sind auf der Flucht besonders gefährdet. Viele von ihnen haben nur dank der Hilfe der jetzt Angeklagten überlebt." Auch viele der Helfenden selbst wie die Syrerin Sarah Mardini oder der Ire Sean Binder seien noch jung und der Prozess für sie hochbelastend. Sarah Mardini ist unter anderem durch die Netflix-Produktion "Die Schwimmerinnen" bekannt geworden, in der ihre Flucht aus Damaskus verfilmt wurde.

Mardini, Binder und ein weiterer Angeklagter hatten 2018 bereits mehr als drei Monate in Griechenland in Untersuchungshaft verbracht. Der Prozessbeginn hatte sich immer wieder hingezogen, unter anderem wegen Verfahrensfehlern. International gab es zahlreiche Proteste, auch EU-Abgeordnete haben das Vorgehen der griechischen Regierung scharf kritisiert. (...)