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11.10.2020

Flüchtlingselend in Griechenland

Selbst anerkannte Asylbewerber landen laut SOS-Kinderdörfern auf der Straße
Das Leiden der Menschen in Griechenland geht weiter. Die SOS-Kinderdörfer sind vor Ort an verschiedenen Standorten aktiv und unterstützen notleidende Kinder und Familien unter anderem mit Bildung, psychosozialer Hilfe und Lebensnotwendigem. © Giorgos Moutafis/SOS-Kinderdörfer

Athen - Selbst anerkannten Flüchtlingen droht in Griechenland nach Angaben der SOS-Kinderdörfer ein Leben in Not und Armut. "Kinder und Familien werden aus den Lagern vertrieben, sobald ihr Antrag bewilligt wird", sagt Popi Gkliva, Nothilfekoordinatorin der SOS-Kinderdörfer in Griechenland. Seit einer Gesetzesänderung im Mai müssen anerkannte Asylbewerber innerhalb von 30 Tagen die Unterkunft verlassen und ohne Hilfe überleben.

Popi Gkliva sagt: "Die Menschen haben keine Arbeit, kein Zuhause, keine Schule für ihre Kinder." Ein Großteil der Geflüchteten sei außerdem traumatisiert und bräuchte dringend psychosoziale Unterstützung. Zwar hätten sie einen gesetzlichen Anspruch auf Sozialleistungen, aber die bürokratischen Hürden seien extrem hoch. Zahlreiche Familien stünden vor dem Kollaps. "Viele Eltern sind erschöpft und geben auf. Sie fühlen sich selber nicht sicher und unterstützt, wie sollen sie da ihren Kindern helfen?", so Gkliva.

Die SOS-Nothilfekoordinatorin befürchtet, dass die Situation in den nächsten Monaten noch eskalieren wird. Die Regierung habe bereits angekündigt, tausende weiterer Menschen aufs Festland zu bringen – ohne einen Plan zur Integration. Nach dem Brand im Lager Moria auf Lesbos im September sei die Situation angespannter denn je. Selbst Familien mit Kleinkindern seien gezwungen, auf der Straße oder in Olivenhainen zu leben. "Überall entstehen kleine Morias", berichtet Gkliva. Dies schüre auch Konflikte mit den Einheimischen.

Denn auch viele griechische Familien litten nach wie vor unter den Folgen der Wirtschaftskrise von 2009 und seien im Zuge der Corona-Maßnahmen erneut in Not geraten. "Die Lösung kann nur darin bestehen, sowohl die Geflüchteten als auch die notleidende griechische Bevölkerung zu unterstützen. Nur dann kann Integration gelingen", sagt die Nothilfekoordinatorin. Kinder, egal welcher Herkunft, hätten ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben. Dies zu garantieren, sei die Verpflichtung aller. (...)

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SOS-Kinderdörfer
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